„Lütge, lütge Fastnacht“ – Salwey hält seine Karnevalsbräuche lebendig

„Lütge, lütge Fastnacht“ – Salwey hält seine Karnevalsbräuche lebendig
Bräuche gibt es im Sauerland in den unterschiedlichsten Formen. Viele dieser Traditionen sind im Laufe der Jahrzehnte jedoch in Vergessenheit geraten und werden von jüngeren Generationen nur noch selten oder gar nicht mehr gepflegt.
Wer erinnert sich beispielsweise noch an die Ausstellung eines sogenannten „Jagdscheins“? Wollte ein auswärtiger Mann eine Frau aus dem Dorf heiraten – im Sauerland auch als „friggen“ bezeichnet –, musste er sich den entsprechenden Jagdschein erst verdienen. Dazu wurde unter anderem das Gewicht der zukünftigen Ehefrau in Bier aufgewogen oder ein zuvor festgelegter Betrag entrichtet.
Sicherlich gab es auch in Salwey noch viele weitere Bräuche, an die sich heute nur noch wenige Menschen erinnern können. Eine Tradition lassen sich die Salweyer jedoch bis heute nicht nehmen: das gemeinsame Wurst- und Eiersammeln und die anschließende Feier.
Närrisches Frühstück der kfd
Auch in diesem Jahr wurde die Karnevalszeit in Salwey wieder ausgiebig gefeiert. Die kfd hatte zum traditionellen Karnevalsfrühstück eingeladen, und zahlreiche jecke Frauen folgten dem Ruf in den festlich geschmückten Speisesaal der Schützenhalle.
Natürlich wurde dort auch gefrühstückt. Mindestens ebenso wichtig waren jedoch das gemeinsame Singen, Schunkeln und Feiern. Ob dabei auch das eine oder andere Likörchen getrunken wurde, ist nicht abschließend überliefert. Man(n) weiß es nicht.
Wurst- und Eiersammeln in beiden Ortsteilen
Auch die Männer hielten an ihrem traditionellen Wurst- und Eiersammeln fest. In Ober- und Niedersalwey zogen sie am Sonntag wieder von Haus zu Haus, um Würste, Eier und weitere Spenden einzusammeln.
Am Abend trafen sich die Gruppen zum gemeinsamen Essen und Feiern. In Obersalwey fand der Abschluss in der Dorfhalle statt, während man sich in Niedersalwey im ehemaligen Gasthof Schmidt versammelte.
Wie spät die Feiern schließlich endeten, spielte keine Rolle. Entscheidend war, dass alle Beteiligten viel Freude hatten und die Salweyer Karnevalsbräuche erneut gemeinsam gepflegt wurden.
Die neuen Tollitäten 2024/2025
In Obersalwey wurde Christian Mues als neuer Prinz vorgestellt. Er trägt den närrischen Titel:
Prinz Christian II. – der ins Wasser Fallende
In Niedersalwey regieren gleich mehrere Tollitäten:
Prinz Basti Müller
Prinz Stefan Henke
Prinz Thorsten Schumacher
Als Kasper ist Meinolf Riemer mit von der Partie. Die passenden närrischen Beinamen der Niedersalweyer Prinzen werden vermutlich zu einem späteren Zeitpunkt vergeben.
„Eine Wurst oder ein Ei“
Beim traditionellen Sammeln wird an jedem Haus ein altes Fastnachtslied gesungen. Auch die Kinder ziehen bereits am Donnerstag durch die Ortschaften und tragen die bekannten Zeilen vor:
„Lütge, lütge Fastnacht,
ich hab gehört, ihr habt geschlacht’,
habt ’ne dicke Wurst gemacht.
Gib mir eene, gib mir eene,
aber nicht so ’ne ganze Kleene.
Lasst das Messer sinken
bis mitten in den Schinken.
Lasst uns nicht zu lange steh’n,
wir wollen noch ein Häuschen weitergeh’n.
Eins, zwei, drei –
’ne Wurst oder ’n Ei!“
Wann dieser Brauch erstmals seinen Weg ins Sauerland fand, lässt sich heute kaum noch eindeutig feststellen. Sicher ist jedoch: In Salwey lebt diese besondere Tradition weiter und verbindet Jahr für Jahr Jung und Alt.
Salweyer Geschichte zum Nachlesen
Wer noch tiefer in die Geschichte und die Traditionen des Ortes eintauchen möchte, kann weiterhin die Chronik zum 650-jährigen Bestehen von Salwey erwerben. Sie ist beim Heimat- und Förderverein Salwey erhältlich.
Textgrundlage: Thomas Tillmann
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