Zum Hauptinhalt springen

Die Kapelle St. Quirinus in Niedersalwey

St. Quirinus in Niedersalwey

Ein Gotteshaus mit mehr als 700 Jahren Geschichte

Mitten in Niedersalwey steht ein Bauwerk, das Generationen von Salweyern kommen und gehen gesehen hat: die St.-Quirinus-Kapelle. Sie stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und gilt als vermutlich ältestes erhaltenes Gebäude der heutigen Gemeinde Eslohe.

Damit ist die kleine Kapelle wesentlich älter als die heutige Pfarrkirche St. Sebastian und sogar älter als die erste urkundliche Erwähnung Salweys aus dem Jahr 1354. Über viele Jahrhunderte war sie der kirchliche Mittelpunkt des Ortes und damit nicht nur Gotteshaus, sondern auch ein wichtiger Bestandteil des Dorflebens.

Ein frühgotisches Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert

Die Kapelle ist für ein mittelalterliches Dorfkirchlein erstaunlich groß. Ihr frühgotischer Saal ist rund 21 Meter lang und wird durch drei schmale Joche gegliedert.

Spitzbogige Gurte und Kreuzgratgewölbe prägen den Innenraum. Noch heute lässt sich an vielen Stellen erkennen, wie alt das Gebäude tatsächlich ist.

Ihre Geschichte verlief allerdings keineswegs unbeschadet. Vermutlich während der Truchsessischen Wirren oder des Dreißigjährigen Krieges wurde die mittelalterliche Ausstattung zerstört und auch das Gebäude selbst schwer beschädigt.

Um die Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Kapelle wiederhergestellt beziehungsweise vor weiterem Verfall bewahrt.

Ein besonderer Zeitzeuge: Die St.-Quirinus-Kapelle entstand bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Als Salwey am 14. Februar 1354 erstmals urkundlich erwähnt wurde, stand das Gotteshaus vermutlich bereits seit mehreren Jahrzehnten im Ort.

Historische Wandmalereien als besonderer Schatz

Eine besondere Bedeutung besitzt St. Quirinus wegen ihrer historischen Wandmalereien.

Bereits 1927 wurden unter später aufgetragenen Farbschichten alte Malereien entdeckt. Zwischen 1971 und 1973 wurden Teile dieser Darstellungen freigelegt und konserviert.

Einige der Malereien stammen noch aus dem ausgehenden 13. Jahrhundert und gehören damit zu den ältesten erhaltenen Ausstattungsmerkmalen der Kapelle.

Engel, Seelenwaage und das Weltgericht

Zu den eindrucksvollsten Darstellungen gehört das Weltgericht. Zu sehen ist unter anderem ein Engel mit einer Waage, in deren Schalen sinnbildlich die gute und die böse Seele dargestellt werden.

Weitere Wandbilder zeigen Heilige und verschiedene Szenen aus der christlichen Überlieferung.

Eine weitere Ausmalungsphase stammt aus dem 16. Jahrhundert. Dazu gehören unter anderem Darstellungen der Apostel, des Schmerzensmannes sowie des Martyriums des heiligen Sebastian.

Gerade diese teilweise nur noch schemenhaft erkennbaren Malereien machen die Kapelle heute zu einem außergewöhnlichen Zeugnis mittelalterlicher Kirchenkunst im Sauerland.

Jahrhundertelang Mittelpunkt des kirchlichen Lebens

Über viele Jahrhunderte diente St. Quirinus den Menschen in Niedersalwey und Umgebung als Gotteshaus. Hier fanden Gottesdienste statt und kirchliche Feste wurden gefeiert. Die Kapelle war über Generationen hinweg eng mit dem Leben der Bewohner des Salweytals verbunden.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde das Gebäude für die gewachsene Kirchengemeinde jedoch zunehmend zu klein.

Die neue St.-Sebastian-Kirche entsteht

Deshalb begann 1956 in Niedersalwey der Bau der neuen St.-Sebastian-Kirche.

Am 10. November 1957 wurde die neue Kirche feierlich eingeweiht. Von diesem Zeitpunkt an verlagerte sich das reguläre kirchliche Leben weitgehend von der alten Quirinuskapelle in die neue Pfarrkirche.

St. Quirinus verlor damit ihre Funktion als regelmäßig genutzte Hauptkirche der Salweyer Kirchengemeinde.

Die alte Kapelle bleibt erhalten

Trotzdem wurde das historische Gotteshaus nicht aufgegeben.

1985 wurde die St.-Quirinus-Kapelle unter Denkmalschutz gestellt. Eine umfangreiche Renovierung erfolgte im Jahr 2003. Dabei wurde unter anderem der neu vergoldete Wetterhahn wieder auf das Gebäude gesetzt.

Der Erhalt der Kapelle ist aufgrund ihres hohen Alters bis heute eine dauerhafte Aufgabe.

Wie wird St. Quirinus heute genutzt?

Regelmäßige Sonntagsgottesdienste finden in der St.-Quirinus-Kapelle heute nicht mehr statt. Das kirchliche Zentrum der Gemeinde befindet sich inzwischen in der St.-Sebastian-Kirche.

Ganz ohne kirchliches Leben ist die alte Kapelle jedoch keineswegs. Bei besonderen Anlässen wird sie weiterhin genutzt.

Traditionell spielt sie beispielsweise bei der Fronleichnamsprozession eine Rolle und dient dort als Gebetsstation. Gelegentlich finden in dem historischen Gotteshaus auch Hochzeiten oder besondere kirchliche Feiern statt.

Auch das Hochwasser hinterließ seine Spuren

Wie empfindlich ein solch altes Gebäude ist, zeigte sich besonders beim Hochwasser im Jahr 2021.

Wasser drückte sich durch den Boden der Kapelle und machte umfangreiche Arbeiten notwendig. Auch hier waren wieder viele helfende Hände gefragt, um das historische Gebäude zu schützen und zu erhalten.

Mehr als sieben Jahrhunderte Salweyer Geschichte: Mittelalterliche Wandmalereien, Kriege und Beschädigungen, Wiederaufbau, Denkmalschutz, Renovierungen und sogar das Hochwasser von 2021 – kaum ein anderes Gebäude im Salweytal hat so viele Epochen unmittelbar miterlebt.

Mehr als nur eine alte Kapelle

St. Quirinus ist heute weit mehr als eine ehemalige Dorfkirche.

Das Gebäude erzählt von mehr als sieben Jahrhunderten Glauben, Dorfgemeinschaft, Kriegen, Wiederaufbau und Veränderung.

Wo früher die Menschen aus Salwey regelmäßig zur Messe zusammenkamen, befindet sich heute eines der bedeutendsten historischen Gebäude des Ortes.

Die mittelalterlichen Wandmalereien, die frühgotische Architektur und die lange Geschichte machen die Kapelle zu einem besonderen Kulturdenkmal des Salweytals.

Ein stiller Zeitzeuge mitten in Niedersalwey

Auch wenn sich das kirchliche Leben längst in die St.-Sebastian-Kirche verlagert hat, bleibt St. Quirinus ein wichtiger Teil von Niedersalwey.

Seit mehr als 700 Jahren steht die Kapelle an ihrem Platz. Generationen haben hier gebetet, gefeiert, Abschied genommen und wichtige Momente ihres Lebens erlebt.

Heute ist sie ein stiller Zeitzeuge mitten im Dorf – und ein Stück Salweyer Geschichte, das es auch für kommende Generationen zu bewahren gilt.

Slideshow

Übersicht

Salweytal
Fußgängerzone / Kriegerdenkmal
59889 Eslohe
Kirche ist verschlossen.
Auf Anfrage beim Kirchenvorstand können hier noch Trauungen etc vorgenommen werden.

Kirchenvorstand

Achim Bierhoff
1. Vorsitzender